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2026: Das Ende der „Büro-Sicherheit“? Was KI wirklich mit unseren Jobs macht

  • 1. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Wenn es um Künstliche Intelligenz geht, sind viele Aussagen entweder euphorisch („KI wird alles besser machen!“) oder panisch („KI nimmt uns allen die Arbeit weg!“).

Alex Karp, CEO von Palantir, gehört zu den wenigen Top-Managern, die das Thema nicht weichspülen, sondern ziemlich unverblümt aussprechen, was er erwartet: einen Arbeitsmarkt, der sich radikal neu sortiert.


Und genau das passiert gerade – nicht irgendwann, sondern bereits jetzt. Besonders sichtbar wird das in der Schweiz: Der Nach-Corona-Boom ist vorbei, Unternehmen sparen wieder, und einige Branchen kühlen deutlich ab. Gleichzeitig entstehen neue Engpässe – und plötzlich sind ganz andere Fähigkeiten gefragt als noch vor wenigen Jahren.

Die Frage ist nicht mehr: Kommt KI? Sondern: Was bleibt übrig, wenn KI da ist?


„KI wird Humanities-Jobs zerstören“ – ein Satz, der hängen bleibt

Auf dem World Economic Forum in Davos 2026 hat Karp einen Satz gesagt, der wie ein Schlag ins Gesicht klingt – gerade für alle, die an Bildung, Wissen und Aufstieg durch Studium glauben:

„AI will destroy humanities jobs.“

Gemeint sind damit nicht nur akademische Berufe. Sondern im Kern alles, was stark auf Text, Denken, Schreiben, Recherche, Kommunikation und Analyse basiert – also genau die Aufgaben, die früher als „sicher“ galten, weil sie anspruchsvoll und kopflastig sind.


Das Bittere: Karp nimmt sich dabei sogar selbst als Beispiel. Er hat Philosophie studiert – und sagt sinngemäß: Ohne zusätzliche, praktisch verwertbare Skills wird es schwer, sich zu behaupten.

Provokant? Ja. Aber wenn man ehrlich hinschaut, ist es auch logisch. Denn KI wird nicht müde, wird nicht krank, schreibt in Sekunden einen Text, fasst Informationen zusammen und liefert sofort Vorschläge. Und sie wird jeden Monat besser.


Die Schweiz liefert den Realitätscheck: Der Stellenmarkt kippt bereits

Während in Davos Zukunftssätze fallen, zeigt der Schweizer Arbeitsmarkt schon die Gegenwart.

Daten belegen: Genau jene Bereiche, die nach Corona extrem gewachsen sind, erleben jetzt die stärksten Rückgänge:

  • Informatik

  • Marketing & Kommunikation

  • Finanzdienstleistungen


Der Grund ist nicht nur KI, sondern auch ein Klassiker: Sobald Firmen wieder vorsichtiger werden, werden zuerst jene Projekte gestrichen, die „nice to have“ sind – und nicht absolut nötig fürs Überleben.

In der Informatik hängen viele Jobs an Projekten, die man verschieben kann.In Marketing und Kommunikation lassen sich Budgets schnell einfrieren.Und im Finanzbereich wird ebenfalls auf Effizienz gedrückt.


Doch KI wirkt wie ein zusätzlicher Beschleuniger: Aufgaben wie Programmieren, Schreiben, Recherchieren und Rechnen werden plötzlich günstiger und schneller.

Das sorgt für einen spürbaren Effekt: Die Nachfrage sinkt dort, wo früher Wachstum als selbstverständlich galt.


Weniger White-Collar – mehr Menschen, die Dinge wirklich reparieren

Karp sagt im Kern: Die Welt braucht künftig weniger „White Collar“ – und mehr „Hands-on“.

Also weniger klassische Bürojobs, mehr Menschen, die:

  • Anlagen am Laufen halten

  • Gebäude modernisieren

  • Systeme installieren

  • reparieren, warten, aufbauen

  • vor Ort Probleme lösen


Auch Schweizer Daten stützen diese Logik: Besonders schwer zu besetzen sind gerade Handwerks- und technische Berufe, etwa:

  • Heizungsinstallateure

  • Sanitär

  • Spengler

  • Bau & Industrie-nahe Tätigkeiten


Und das ist mehr als nur „Fachkräftemangel“. Es ist ein strukturelles Signal: Unsere Wirtschaft braucht nicht primär noch mehr Ideen – sondern Menschen, die die Realität umsetzen können.


Oder übersetzt:KI kann viel, aber sie kann keine Heizung installieren.

Noch nicht.


Die Gewinner 2026 sind klar – und sie haben ein Muster

Während viele Wissensjobs wackeln, gibt es Branchen, die nicht nur stabil bleiben, sondern sogar wachsen. Und auch hier ist das Muster eindeutig: Sie hängen an dem, was KI nicht wegoptimiert.


1) Gesundheit & Pflege

Die Schweiz hat in den letzten zehn Jahren massive Stellenzuwächse im Gesundheitswesen gesehen. Der Grund ist simpel:Die Bevölkerung wächst – und sie wird älter.

Zusätzlich kommen Pensionierungen dazu, gerade bei Ärztinnen und Ärzten. Diese Lücke lässt sich nicht mit Software schließen.


2) Bildung & Erziehung

Auch Lehr- und Erziehungsberufe legten stark zu. Schulen und Betreuung wachsen – weil Kinder nicht weniger werden und Gesellschaft ohne Bildung nicht funktioniert.


3) Betreuung, Soziales, Care-Arbeit

Alles rund um Kinder, ältere Menschen, Begleitung und soziale Arbeit wird wichtiger – weil es menschliche Nähe, Vertrauen und Präsenz erfordert.


4) Handwerk & Technik

Hier bleibt die Nachfrage hoch und die Stellen sind schwer zu besetzen. Dazu kommt: Diese Jobs sind deutlich weniger KI-anfällig, weil sie körperlich, situativ und komplex sind.


5) Immobilien

Wohnen ist knapp, Nachfrage ist hoch, Prozesse sind komplex – und Beratung wird wertvoller. Der Maklerberuf wächst, auch weil der Einstieg niedrigschwellig ist und viele Quereinsteiger kommen.


KI macht nicht alle arbeitslos – sie verschiebt den Wert

Ein wichtiger Punkt bei Karp: Er sagt nicht, dass „alle Jobs weg“ sind.Er sagt eher: Wertschöpfung wandert.

Viele Tätigkeiten werden nicht verschwinden – aber sie werden weniger bezahlt, weniger gesucht oder anders bewertet.


Das hat man früher schon gesehen:Nicht jeder wurde durch Excel arbeitslos – aber wer Excel konnte, wurde schneller befördert. Und wer es nicht konnte, wurde irgendwann überholt.

Nur ist KI nicht Excel. KI ist ein System, das ganze Teilbereiche ersetzen kann.


Die entscheidende Veränderung: Der Arbeitsmarkt wird polarisierter.

  • Oben: Menschen, die KI einsetzen, steuern, integrieren, Verantwortung übernehmen

  • Unten: Tätigkeiten, die sich automatisieren lassen und austauschbar werden

  • Und stabil: Jobs, die vor Ort stattfinden und echte Welt-Komplexität haben


Der vielleicht heikelste Gedanke: Weniger Immigration wegen KI?

Karp geht noch weiter und sagt sinngemäß: KI und Automation könnten den Arbeitskräftemangel so verändern, dass große Zuwanderung weniger nötig erscheint.

Das ist politisch extrem aufgeladen – aber als Szenario interessant:Wenn produktive Arbeit pro Person stark steigt, braucht eine Wirtschaft möglicherweise weniger Menschen für dieselbe Leistung.

Gleichzeitig wirkt es aber widersprüchlich – denn in der Schweiz sieht man gerade: In Pflege, Betreuung und Handwerk fehlen Leute weiterhin massiv. Diese Lücke ist nicht „wegprogrammierbar“.


Vielleicht ist die Wahrheit wie so oft: KI reduziert Bedarf in manchen Bereichen – und verschärft ihn in anderen.


Fazit: 2026 wird nicht „der Markt“, sondern viele Parallelmärkte


Wer 2026 vom Arbeitsmarkt spricht, wird nicht mehr sagen können: „Die Lage ist gut“ oder „die Lage ist schlecht“.Die Lage wird gleichzeitig beides sein – je nachdem, was du kannst.


Sehr gute Aussichten 2026

✅ Pflege / Gesundheit✅ Bildung / Betreuung / Soziales✅ Handwerk / Technik / Bau✅ Vor-Ort-Berufe mit hoher Komplexität


Harter Gegenwind

⚠️ Standard-IT-Rollen, Softwareentwicklung (Routine)⚠️ Datenbank / Backoffice-Analytik⚠️ Marketing & Kommunikation⚠️ klassische Wissensarbeit ohne Spezialisierung


Und die übergreifende Wahrheit lautet:

Wer nur „Denkarbeit“ liefert, konkurriert künftig mit Maschinen.Wer Umsetzung liefert, wird seltener – und wertvoller.

 

 
 
 

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