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Künstliche Intelligenz, natürliche Eitelkeit

  • 13. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Früher dachte man bei künstlicher Intelligenz an Roboter, die höflich die Weltherrschaft übernehmen. Heute weiss man: KI ist vor allem ein Haufen Milliardäre, die sich gegenseitig verklagen, verraten und auf X beleidigen.

Im Zentrum des Dramas steht Sam Altman – eine Art Silicon-Valley-Version von Casanova, nur mit Rechenzentren statt Rosen. Wer ihm begegnet, ist anfangs begeistert, später tief enttäuscht und am Ende meistens Konkurrent. Das schafft nicht jeder. Manche bauen Firmen auf. Altman baut Feindbilder.

Zuerst war da Satya Nadella. Als Altman 2023 kurzzeitig bei OpenAI hinausgeworfen wurde, sprang Microsofts Chef heldenhaft zur Rettung. Man stellte sich das vor wie in einem Ritterfilm: Nadella auf dem weissen Azure-Server, Altman in Not, der Verwaltungsrat im Burgverlies. Doch kaum war Altman zurück im Sattel, flirtete er mit Amazon und schloss dort einen milliardenschweren Cloud-Deal ab. Treue ist in der Techbranche offenbar nur ein Beta-Feature.

Dann wären da noch die Geschwister Amodei, die OpenAI verliessen und Anthropic gründeten. Dort zeigt man inzwischen, wie man Sam Altman am effektivsten ärgert: mit besseren Modellen. Das neueste System klingt wie der Endgegner eines Marvel-Films – „Claude Mythos Preview“ – und kann laut Berichten Sicherheitslücken finden, ausnutzen und nebenbei wohl noch den WLAN-Drucker reparieren. Immerhin veröffentlicht man es nicht sofort, sondern lässt erst Google, Apple, Microsoft und andere testen. Früher nannte man das Sicherheitsprüfung. Heute heisst es Produktlaunch.

Auch Elon Musk mischt im Theater mit. Er nennt Altman angeblich „Scam Altman“ und zieht gegen OpenAI vor Gericht. Musk wirkt dabei wie ein Mann, der gleichzeitig beleidigt ist, eine Rakete startet und drei neue Firmen gründet. Seine eigene KI namens Grok soll inzwischen zu ChatGPT aufgeschlossen haben. Das ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass Musk Unternehmen inzwischen schneller gründet als andere Leute Newsletter abbestellen.

Überhaupt erinnert die Branche zunehmend an ein Aquarium mit Piranhas. Alle fressen Kapital, niemand macht Gewinn, und jeder erklärt, bald werde alles ganz anders. Firmenbewertungen steigen in astronomische Höhen, Verluste ebenfalls. Man redet von Hunderten Milliarden Dollar, als ginge es um Migros-Cumulus-Punkte.

Das Schönste aber ist die Moralkeule. Dieselben Firmen, die gestern vor den Gefahren der KI warnten, verkaufen heute Werbung, Abos, Cloud-Pakete und bald vermutlich personalisierte Horoskope. Erst hiess es: „Diese Technologie bedroht die Menschheit!“ Dann hiess es: „Für 19.99 im Monat ohne Wartezeit.“

Und wir Nutzer? Wir sitzen davor, lassen uns Mails schreiben, Bilder generieren und Einkaufslisten optimieren – während im Hintergrund Milliardäre streiten wie Teenager in einer WhatsApp-Gruppe.

Vielleicht ist das die wahre künstliche Intelligenz: Maschinen, die produktiv arbeiten, während Menschen sich benehmen wie Kommentare unter einem Online-Artikel.

 
 
 

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